Deckungsgraben Brunnenweg

Carl-Legien-Straße, 49084 Osnabrück

Zerstörter Deckungsgraben Brunnenweg

Der völlig zerstörte Deckungsgraben am Brunnenweg nach dem verheerenden Luftangriff vom 13. Mai 1944.

Fotograf unbekannt, unbekanntes Archiv, 1944

Der öffentliche Deckungsgraben Brunnenweg wurde im Frühjahr 1943 mit einem Fassungsvermögen von 200 Personen im Auftrag der Stadt errichtet. Er befand sich auf Höhe des heutigen Bolzplatzes an der Thomasburgstraße bzw. Carl-Legien-Straße im Osnabrücker Stadtteil Schinkel.

Das halb in den Boden eingelassene Bauwerk besaß damals vier Treppenzugänge und verfügte über 50cm starke Ziegelsteinwände, welche von massiven Betonplatten gleicher Stärke gedeckelt wurden, zusätzlich überdeckt von etwa einem Meter Erdreich und Hangaufschüttungen an den Flanken.

Obwohl die Anlage damit nicht als bombensicher galt, fanden sich bei den zunehmend den Alltag bestimmenden Fliegeralarmen viele Passanten und Anwohner hier ein. So auch während des Angriffs am 13. Mai 1944. Gegen 14:15 Uhr Ortszeit überflogen an diesem Tag mehrere US-amerikanische Bomberverbände, begleitet von massivem Jagdschutz, das Stadtgebiet. Sie entluden mehrere Bombenteppiche über Bahn- und Industrieanlagen im Schinkel. Ziel waren unter Anderem die umliegenden Werkshallen der Klöckner Werke und des Osnabrücker Kupfer- und Drahtwerks.

Doch auch Wohnbebauung wurde nicht verschont. Spreng- und Brandbomben sowie 20 speziell für Wohnblöcke konzipierte Luftminen zerstörten unzählige öffentliche Gebäude, Kirchen und Wohnungen abseits der Fabriken. So auch an der heutigen Carl-Legien-Straße, etwa 400 Meter nördlich des alten Klöckner-Geländes. Der erst ein Jahr zuvor errichtete Deckungsgraben am damaligen Brunnenweg war zu diesem Zeitpunkt mit 115 Schutzsuchenden etwa halb belegt, als der Schutzbau plötzlich von Detonationen zerrissen wurde. Eine Sprengbombe hatte den Deckungsgraben getroffen und Teile des Deckungsgrabens vollständig zerstört. Die Decken- und Wandelemente, die untereinander nicht verankert waren, kollabierten oder wurden durch die Wucht der Explosion in Stücke gerissen. 101 Schutzsuchende im Deckungsgraben, unter ihnen auch 30 Kinder, starben an Ort und Stelle. Lediglich 14 Personen konnten nach dem Einschlag von Rettungskräften lebendig geborgen und in der benachbarten Rettungsstelle notversorgt werden. Insgesamt hatte Osnabrück an diesem Tag 239 Tote zu beklagen, etwa ein Sechstel aller Osnabrücker Bombentoten. Niemals zuvor und niemals danach starben an einem Tag so viele Menschen in der Stadt durch einen Luftangriff.

Das Grabensystem am Brunnenweg wurde nach dieser Tragödie nicht wieder aufgebaut, die Schäden waren schlichtweg zu groß. Hinzu kam, dass Deckungsgräben nach dieser Katastrophe in der Stadt nur noch im äußersten Notfall von den Osnabrückern aufgesucht wurden.

Nach dem Krieg machten sich die Behörden nicht die Mühe, die Reste der Luftschutzanlage abzutragen. Nachdem das Gelände noch einige Jahre brach lag, wurden die Überbleibsel Anlage lediglich zugeschüttet und das darüberliegende Gelände planiert.

Heute erinnert an der Carl-Legien-Straße, dem einstigen Brunnenweg, nichts mehr an das Drama, welches sich dort einst zutrug. Am Standort der Katastrophe befindet sich heute ein kleiner Bolzplatz, an die Toten erinnert vor Ort nichts mehr. Eine Gedenk- oder Mahntafel, wie sie auch am ehemaligen Kinderheim Schölerberg existiert, wäre hier wünschenswert.

Daten

Zusammenfassung

  • Aufnahmekapazität (offiz. Angaben)
    200 Personen
  • Deckenstärke
    0,50 Meter
  • Wandstärke
    0,50 Meter
  • Bauherr
    Stadt Osnabrück
  • Baubeginn
    Mai 1943
  • Inbetriebnahme
    Sommer 1943
  • Anlage ist noch erhalten
    nein
    Anmerkungen: Zugeschüttet, evtl. Reste unter Sportplatz vorhanden

Lokalisierung

Standort des Objekts


Anmerkungen zum Standort: Die hier bereitgestellten Standortangaben dienen lediglich der Dokumentation.
Viele Objekte befinden sich auf Firmen- oder Privatgrundstücken und sollten ohne Rücksprache mit den entsprechenden Eigentümern weder betreten noch fotografiert werden.

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Bilder

Fotos & Bildmaterial

  • Zerstörter Deckungsgraben Brunnenweg

    Der völlig zerstörte Deckungsgraben am Brunnenweg nach dem verheerenden Luftangriff vom 13. Mai 1944.

    Fotograf unbekannt, unbekanntes Archiv, 1944

Informationsquellen

Dokumente, Nachweise, Sekundärquellen und Weblinks

Nachweisung über LS.Bunker, LS.Stollen und Oeffentl. Luftschutzräume im Stadtgebiet Osnabrück, 09. November 1945
Verfasser / Urheber:
unbekannt
Datum:
09. November 1945
Anmerkungen:
Abschrift, 5 Seiten, datiert auf den 9.11.1945, Verfasser unbekannt (Möllmann?)
Downloads:

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Kriegs-Chronik - Register zu Band I bis VII - Anhänge, 1956
Verfasser / Urheber:
Möllmann
Datum:
1956
Anmerkungen:
Der Luftschutzbau in Osnabrück während des zweiten Weltkrieges (1939 / 1945)
Downloads:

Sie haben Zugriff auf 0 von insgesamt 1 Dateien.

Schinkeler Geschichten, 1990
Verfasser / Urheber:
Bürgerverein Osnabrück-Schinkel von 1912 e.V.,
Datum:
1990
Von Zufällen, die über Leben und Tod entscheiden, 13. Mai 2003
Verfasser / Urheber:
Neue Osnabrücker Zeitung
Datum:
13. Mai 2003
Downloads:

Sie haben Zugriff auf 0 von insgesamt 1 Dateien.

Im Anflug auf Osnabrück - Die Bombenangriffe 1940 - 1945, 2004
Verfasser / Urheber:
Wido Spratte
ISBN:
3-87898-292-5
Datum:
2004
Anmerkungen:
2. Auflage 2004, Wido Spratte, ISBN 3-87898-292-5
Heimat-Jahrbuch 2005 - Osnabrücker Land, 2005
Verfasser / Urheber:
Heimatbund Osnabrück e.V., Heimatbund Bersenbrück e.V. und Landkreis Osnabrück
ISBN:
1618-5757
Datum:
2005
Der Brand - Deutschland im Bombenkrieg 1940 - 1945, 2012
Verfasser / Urheber:
Jörg Friedrich
ISBN:
3-549-07165-5
Datum:
2012
Bomben, Bickbeeren, Besatzung - Eine Kindheit im Schatten der Nazis und des Krieges, 2013
Verfasser / Urheber:
Helga Borchert
ISBN:
978-3-8442-5724-3
Datum:
2013
Kriegstote des 2. Weltkriegs in Osnabrück
Anmerkungen:
Zusammenstellung verschiedener Quellen

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