Hochbunker Stahlwerksplatz / Buersche Straße

Buersche Straße, 49084 Osnabrück

Der Hochbunker Stahlwerksplatz im 2. Weltkrieg

Der Hochbunker am Stahlwerksplatz nach seiner Fertigstellung, vermutlich aufgenommen im Jahr 1942.

Unbekannter Fotograf, unbekanntes Archiv

Der noch heute erhaltene Weltkriegs-Bunker am Stahlwerksplatz zwischen Buersche Straße und der heutigen Rotenburger Straße in Osnabrück war der erste massive oberirdische Schutzbunker dieser Art in Osnabrück.

Mit dem Bau des Schutzbunkers begann man unmittelbar nach Erlass des Luftschutzsofortprogramms vom Oktober 1940. Dieses Programm sah unter Anderem vor, in 60 deutschen Städten, die als stark luftgefährdet eingestuft wurden, unverzüglich mit dem Bau bombensicherer Betonbunker für die Bevölkerung zu beginnen, um so der wachsenden Gefahr aus der Luft entgegenzuwirken. Der erste Spatenstich am Stahlwerksplatz erfolgte daher bereits im Dezember des selben Jahres.

Als Standort wählte man eine Freifläche am Stahlwerksplatz an der Buersche Straße, welche sich in unmittelbarer Nähe zum damaligen Klöckner-Stahlwerk (heute Hasepark) befindet. Die Anlage sollte nach Fertigstellung den Schutzraumbedarf der umliegenden Nachbarschaft decken und diente Anfangs offenbar auch als Schutzraum für die Werksangehörigen der Firmen Klöckner und Ortmann, die zu dieser Zeit noch über keine eigenen bombensicheren Bunker verfügten. Nach einer Bauzeit von knapp einem Jahr war der Hochbunker im Winter 1941 soweit fertiggestellt, dass er für den Luftschutz freigegeben werden konnte. Bei einer Breite von 37,80m, einer Länge von 11,00m und einer Höhe von 14,00m konnte der Luftschutzbunker auf vier Ebenen planmäßig etwa 1.200 Personen aufnehmen, im späteren Kriegsverlauf wurde diese Zahl jedoch vielfach weit überschritten.

Der Hochbunker Stahlwerksplatz im 2. Weltkrieg

Vergrößerung des vorherigen Fotos. Deutlich sind hier die Dachaufbauten der Flak und die reichlich verzierten Eingangsbauwerke zu erkennen. Die Spitzdächer über den Eingängen bestanden allerdings nur aus Holz und wurden nach dem Krieg entfernt.

Unbekannter Fotograf, unbekanntes Archiv

Die Wandstärke beträgt 1,10m bei einer Deckenstärke von etwa 1,60m. An den Enden der 37,80m langen Ostseite des Bunkers befanden bzw. befinden sich die Zugänge ins Innere, geschützt durch zwei nur leicht gepanzerte Splitterschutzvorbauten von ca. 1,0m Wand- und Deckenstärke. Damit war der Bunker nur bedingt bombensicher gegen Nahtreffer.

Besonderes Augenmerk hatten die Architekten zu dieser frühen Zeit des Bombenkriegs auf das Erscheinungsbild des Bunkers gelegt. So finden sich an der Fassade des Bunkers diverse Ornamente aus Sandstein, die dem Betonklotz ein etwas freundlicheres Aussehen verleihen. Die Eingänge wurden zudem durch ein hölzernes Spitzdach ergänzt. Grund hierfür waren gesetzliche Vorgaben, die besagten, dass oberirdische LS-Bunker nicht nur in luftschutzmäßiger Hinsicht, sondern auch städtebaulich und architektonisch eine Einheit mit der umliegenden Bebauung bilden sollten. Hierbei waren auch die baurechtlichen Vorschriften wie etwa die Gebäudehöhe streng zu beachten. Im späteren Kriegsverlauf wurde beim Bau von Bunkern jedoch auf solcherlei Mehraufwand verzichtet.

Bereits während der Bauphase des Bunkers hatte auch die Luftwaffe den Standort am Stahlwerksplatz in Teilen in Beschlag genommen. Zum Schutz des stark gefährdeten Stahlwerks errichtete man hier und auf dem Werksgelände mehrere hölzerne Flugabwehr-Türme für die leichte bzw. mittlere Flak. So existierte auch auf dem Vorplatz des Bunkers ein behelfsmäßiger Flak-Turm, doch wurde dieser nach Fertigstellung des Stahlwerksbunkers wieder abgetragen und die Aufbauten samt Baracken und Geschütz auf den massiven Hochbunker verlegt (s. Fotos).

Während der Hochbunker die Kriegszeit nahezu unbeschadet überstand, so wurde er nach dem Krieg zunächst durch Entfestigungsöffnungen in den Außenwänden für den Luftschutz mittelfristig unbrauchbar gemacht. Zu dieser Zeit diente das schützende Innere bereits als Notquartier für ausgebombte Bürger, welche den Bunker offenbar auch während der Bauarbeiten bewohnten (auf den beigefügten Fotos gut zu erkennen).  Wird fortgesetzt...

Daten

Zusammenfassung

  • Bauherr
    Stadt Osnabrück
  • Anzahl Stockwerke
    4
  • Heutige Nutzung
    Selfstorage / Lager
  • Baumaterial
    Eisenbeton
  • Aufnahmekapazität (offiz. Angaben)
    1.200 Personen
  • Außenmaß - Breite
    37,80 Meter
  • Außenmaß - Höhe
    14,00 Meter
  • Außenmaß - Länge
    11,00 Meter
  • Wandstärke
    1,10 Meter
  • Deckenstärke
    1,60 Meter
  • Baubeginn
    Dezember 1940
  • Inbetriebnahme
    Winter 1941
  • Anlage galt als relativ bombensicher
    ja
  • Anlage ist noch erhalten
    ja

Lokalisierung

Standort des Objekts


Anmerkungen zum Standort: Die hier bereitgestellten Standortangaben dienen lediglich der Dokumentation.
Viele Objekte befinden sich auf Firmen- oder Privatgrundstücken und sollten ohne Rücksprache mit den entsprechenden Eigentümern weder betreten noch fotografiert werden.

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Bilder

Fotos & Bildmaterial

  • Der Hochbunker Stahlwerksplatz im 2. Weltkrieg

    Der Hochbunker am Stahlwerksplatz nach seiner Fertigstellung, vermutlich aufgenommen im Jahr 1942.

    Unbekannter Fotograf, unbekanntes Archiv
  • Der Hochbunker Stahlwerksplatz im 2. Weltkrieg

    Vergrößerung des vorherigen Fotos. Deutlich sind hier die Dachaufbauten der Flak und die reichlich verzierten Eingangsbauwerke zu erkennen. Die Spitzdächer über den Eingängen bestanden allerdings nur aus Holz und wurden nach dem Krieg entfernt.

    Unbekannter Fotograf, unbekanntes Archiv
  • Stahlwerksplatz Osnabrück 1941

    Der Stahlwerksplatz in Osnabrück im Winter 1941. Im Vordergrund ist ein Flak-Hochstand bzw. Flakturm zu sehen, welcher nach Fertigstellung des Bunkers wieder abgerissen wurde. Das Geschütz soll daraufhin auf dem Dach des Bunkers installiert worden sein.

    Fotograf unbekannt, unbekanntes Archiv, 1941
  • Entfestigungen Hochbunker Stahlwerksplatz

    Entfestigungsmaßnahmen am Hochbunker Stahlwerksplatz im Jahr 1950. Im Hintergrund verläuft die Buersche Straße.

    Unbekannter Fotograf, unbekanntes Archiv, 1950
  • Entfestigungen Hochbunker Stahlwerksplatz

    Der entfestigte Hochbunker am Stahlwerksplatz während des Umbaus.

    Unbekannter Fotograf, unbekanntes Archiv, 1950
  • Entfestigungen Hochbunker Stahlwerksplatz

    Ausschnitt aus dem vorherigen Foto. Auch während der Umbauphase wurde der Bunker offenbar noch als Notunterkunft genutzt.

    Unbekannter Fotograf, unbekanntes Archiv, 1950
  • Entfestigungen Hochbunker Stahlwerksplatz

    Vergrößerung des Eingangsbauwerks. Zu erkennen ist einer der ehemaligen Zugänge zur einstigen Schleuse, auf dieser Aufnahme bereits mit einer Tür versehen. Heute existiert an dieser Stelle kein Durchgang mehr.

    Unbekannter Fotograf, unbekanntes Archiv, 1950
  • Der Hochbunker am Osnabrücker Stahlwerksplatz

    Der Hochbunker am Osnabrücker Stahlwerksplatz

    Haubrock, 2013
  • Hochbunker Stahlwerksplatz

    Hochbunker Stahlwerksplatz, nördlicher Zugang

    Haubrock, 2013
  • Sandsteinornamente Hochbunker Stahlwerksplatz

    Sandsteinornamente am Hochbunker Stahlwerksplatz.

    Haubrock, 2013
  • Schäden Eingang Hochbunker Stahlwerksplatz

    Schäden am Eingangsbauwerk Nord des Hochbunkers am Stahlwerksplatz. Ob sie noch aus Kriegszeiten stammen, ist unklar.

    Haubrock, 2013
  • Hochbunker Stahlwerksplatz

    Blick vom südlichen Eingang in Richtung Buersche Straße

    Haubrock, 2013
  • Südliches Eingangsbauwerk des Hochbunkers Stahlwerksplatz

    Südliches Eingangsbauwerk des Hochbunkers Stahlwerksplatz

    Haubrock, 2013
  • Rückseitige Fassade Hochbunker Stahlwerksplatz

    Rückseitige Fassade des Hochbunkers am Stahlwerksplatz

    Haubrock, 2013

Informationsquellen

Dokumente, Nachweise, Sekundärquellen und Weblinks

Nachweisung über LS.Bunker, LS.Stollen und Oeffentl. Luftschutzräume im Stadtgebiet Osnabrück, 09. November 1945
Verfasser / Urheber:
unbekannt
Datum:
09. November 1945
Anmerkungen:
Abschrift, 5 Seiten, datiert auf den 9.11.1945, Verfasser unbekannt (Möllmann?)
Downloads:

Sie haben Zugriff auf 0 von insgesamt 1 Dateien.

Stahlwerksbunker wurde Hotelhospiz, 20. Mai 1948
Verfasser / Urheber:
Nordwestdeutscher Rundfunk
Datum:
20. Mai 1948
Downloads:

Sie haben Zugriff auf 0 von insgesamt 1 Dateien.

Ein Bunker wird zum Wohnhaus, 20. Oktober 1949
Verfasser / Urheber:
Neue Tagespost
Datum:
20. Oktober 1949
Downloads:

Sie haben Zugriff auf 0 von insgesamt 1 Dateien.

Kriegs-Chronik - Register zu Band I bis VII - Anhänge, 1956
Verfasser / Urheber:
Möllmann
Datum:
1956
Anmerkungen:
Der Luftschutzbau in Osnabrück während des zweiten Weltkrieges (1939 / 1945)
Downloads:

Sie haben Zugriff auf 0 von insgesamt 1 Dateien.

Luftschutz: Neue Aufgaben warten auf uns, 08. Februar 1958
Verfasser / Urheber:
Neue Tagespost
Datum:
08. Februar 1958
Downloads:

Sie haben Zugriff auf 0 von insgesamt 1 Dateien.

Bunker ausverkauft, 28. Januar 1961
Verfasser / Urheber:
Osnabrücker Tageblatt
Datum:
28. Januar 1961
Downloads:

Sie haben Zugriff auf 0 von insgesamt 1 Dateien.

Osnabrück 1933 - 1945 - Stadt im Dritten Reich, 1980
Verfasser / Urheber:
Karl Kühling
ISBN:
3-87898-223-2
Datum:
1980
Schinkeler Geschichten, 1990
Verfasser / Urheber:
Bürgerverein Osnabrück-Schinkel von 1912 e.V.,
Datum:
1990
Ärger mit Gewerbemüll und Ölwechsel am Bunker, 29. April 1992
Verfasser / Urheber:
Neue Osnabrücker Zeitung
Datum:
29. April 1992
Downloads:

Sie haben Zugriff auf 0 von insgesamt 1 Dateien.

Einen Bunker braucht niemand mehr, 14. Dezember 2007
Verfasser / Urheber:
Neue Osnabrücker Zeitung
Datum:
14. Dezember 2007
Downloads:

Sie haben Zugriff auf 0 von insgesamt 1 Dateien.

Bombensichere Immobilien, 13. Januar 2010
Verfasser / Urheber:
Neue Osnabrücker Zeitung
Datum:
13. Januar 2010
Downloads:

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Kriegs-Chronik - Band II - Juli 1940 bis August 1941
Verfasser / Urheber:
Stadt Osnabrück
Anmerkungen:
Niedersächsisches Landesarchiv; NLA OS, Dep 3 b XV, Nr. 2 (Neufassung)
Kriegstote des 2. Weltkriegs in Osnabrück
Anmerkungen:
Zusammenstellung verschiedener Quellen
Neue Osnabrücker Zeitung, 14.09.1996
Anmerkungen:
Neue Osnabrücker Zeitung (NOZ)
Neue Osnabrücker Zeitung, 10.06.2013
Anmerkungen:
Neue Osnabrücker Zeitung (NOZ)
Neue Osnabrücker Zeitung, 17.12.2014
Anmerkungen:
Neue Osnabrücker Zeitung (NOZ)
Zusammenstellung über gebaute L.S. Bunker & Stollen
Verfasser / Urheber:
unbekannt
Anmerkungen:
Tabellarische Auflistung der Hoch-Tief- und Stollenbunker in Osnabrück; undatiert, Schreibmaschine, 2 Seiten, Verfasser unbekannt

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