Kleinhochbunker "Rundling" Hoffmeyerplatz

Rehmstraße, 49080 Osnabrück

Luftschutzturm Hoffmeyerplatz Osnabrück

Der Spitzbunker am Hoffmeyerplatz in Osnabrück kurz nach der Sprengung. Links ist der nordwestliche Splitterschutz zu erkennen, hinter welchem sich der Zugang zum Bunker verbarg.

Unbekannter Fotograf, unbekanntes Archiv

Der dreigeschossige Luftschutzbunker am Hoffmeyerplatz war der zweite fertiggestellte Rundbunker dieser Baureihe in Osnabrück.

Der massive Betonbau konnte nach seiner Freigabe im Sommer 1944 etwa 220 Personen aufnehmen. Wie bei den Bunkern dieser Baureihe üblich, verfügte diese Luftschutzanlage über zwei sich gegenüberliegende Zugänge, die durch Splitterschutzvorbauten gesichert wurden. Am Hoffmeyerplatz wurden diese Bis Kriegsende aber nicht vollständig fertiggestellt.

Eine eigenständige Frischluftversorgung sowie elektrisches Licht waren hier installiert. Gegenüber dem kleineren Germania-Bunker, dem ersten realisierten "Rundling", waren am Hoffmeyerplatz bis Kriegsende aber keine Wasserleitungen installiert worden, dafür besaß der Bunker als einziger seiner Art drei Geschosse und konnte damit 80 Personen mehr aufnehmen als sein Vorgänger.

Britische Soldaten vor dem Germania-Bunker

Der Germania-Bunker an der Wittekindstraße. Er war ein Stockwerk kleiner als sein Pendant am Hoffmeyerplatz. Dieses Foto zeigt ihn im April 1945.

British Army, unbekanntes Archiv, 1945

Der Durchmesser des kreisrunden Bunkers beträgt 9,80m bei einer Gesamthöhe von 10,70m, gemessen ab Oberkante des 90cm starken Fundaments. Die Aussenwände besitzen eine Stärke von 1,10m.

Neuerungen bei diesen oberirdischen Bauwerken gegenüber anderen Hochbunkern waren zum Einen die rundwandigen Geschosse, die weniger Angriffsfläche für Druckwellen bieten sollten und zum Anderen die kegelförmige Abschlussdecke des Bunkers. Diese war in Osnabrück neuartig und sollte, so die Idee der Planer, bei einer Stärke von 1,40m bis 3,20m mögliche auftreffende Bomben von der Decke herableiten und so Volltreffer des Betonbauwerks verhindern.

Bunker dieser Baureihe wurden in Osnabrück ab Frühjahr 1944 realisiert. Die Standorte für diese Klein-Hochbunker, wie sie offiziell genannt wurden, waren dort vorgesehen, wo es geologisch nicht möglich war, kostengünstigere Luftschutzstollen zu errichten.

Im Rahmen von Entmilitarisierungsmaßnahmen im Jahr 1948 sollte der Bunker entfestigt werden. Es gelang dem britischen Sprengkommando allerdings nicht, den Bunker vollständig zu sprengen, wie man es ursprünglich vorsah. Durch die Zerstörungen sackte das Bauwerk an einer Seite ab, fiel aber nicht wie geplant um. Das Ziel, den Bunker unbrauchbar zu machen, wurde damit jedoch erfüllt. Man verzichtete daher wohl auf den vollständien Abriss. Dadurch erhielt der Bunker seine heute bekannte, leicht geneigten Form.

Der Rundbunker am Hoffmeyerplatz ist heute das einzig erhaltene Exemplar eines Osnabrücker Rundlings. Von Planungen, den Bunker im Rahmen der Umgestaltung des Hoffmeyerplatzes im Jahr 2009 abzutragen, ließ die Stadtverwaltung aufgrund der hohen Kosten (ca . 60.000 € lt. Neue OZ) glücklicherweise ab. So können Passanten noch heute dieses Relikt der zerstörerischen Bombenkriegs erblicken, das in unseren Augen aufgrund des beängstigenden Charakters als Mahnmal vergangener Zeit auch in Zukunft erhalten bleiben sollte.

Daten

Zusammenfassung

  • Bauherr
    Stadt Osnabrück
  • Anzahl Stockwerke
    3
  • Baumaterial
    20t Baueisen, 3t Mascheisen, 320t Zement (Planzahlen)
  • Aufnahmekapazität (offiz. Angaben)
    220 Personen
  • Außenmaß - Höhe
    10,70 Meter
  • Außenmaß Ø
    9,80 Meter
  • Wandstärke
    1,10 Meter
  • Deckenstärke
    1,40 Meter
  • Baubeginn
    Juli 1944
  • Deckenstärke an Spitze
    3,20 Meter
  • Anlage galt als relativ bombensicher
    ja
  • Anlage ist noch erhalten
    ja
    Anmerkungen: gesprengt, Ruine

Lokalisierung

Standort des Objekts


Anmerkungen zum Standort: Die hier bereitgestellten Standortangaben dienen lediglich der Dokumentation.
Viele Objekte befinden sich auf Firmen- oder Privatgrundstücken und sollten ohne Rücksprache mit den entsprechenden Eigentümern weder betreten noch fotografiert werden.

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Bilder

Fotos & Bildmaterial

  • Luftschutzturm Hoffmeyerplatz Osnabrück

    Der Spitzbunker am Hoffmeyerplatz in Osnabrück kurz nach der Sprengung. Links ist der nordwestliche Splitterschutz zu erkennen, hinter welchem sich der Zugang zum Bunker verbarg.

    Unbekannter Fotograf, unbekanntes Archiv
  • Britische Soldaten vor dem Germania-Bunker

    Der Germania-Bunker an der Wittekindstraße. Er war ein Stockwerk kleiner als sein Pendant am Hoffmeyerplatz. Dieses Foto zeigt ihn im April 1945.

    British Army, unbekanntes Archiv, 1945

Informationsquellen

Dokumente, Nachweise, Sekundärquellen und Weblinks

Nachweisung über LS.Bunker, LS.Stollen und Oeffentl. Luftschutzräume im Stadtgebiet Osnabrück, 09. November 1945
Verfasser / Urheber:
unbekannt
Datum:
09. November 1945
Anmerkungen:
Abschrift, 5 Seiten, datiert auf den 9.11.1945, Verfasser unbekannt (Möllmann?)
Downloads:

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Kriegs-Chronik - Register zu Band I bis VII - Anhänge, 1956
Verfasser / Urheber:
Möllmann
Datum:
1956
Anmerkungen:
Der Luftschutzbau in Osnabrück während des zweiten Weltkrieges (1939 / 1945)
Downloads:

Sie haben Zugriff auf 0 von insgesamt 1 Dateien.

Der schiefe Turm vom Hoffmeyerplatz, 04. Februar 2009
Verfasser / Urheber:
Neue Osnabrücker Zeitung
Datum:
04. Februar 2009
Downloads:

Sie haben Zugriff auf 0 von insgesamt 1 Dateien.

Der rätselhafte Turm in der Osnabrücker Wüste, 26. August 2014
Verfasser / Urheber:
Neue Osnabrücker Zeitung
Datum:
26. August 2014
Anmerkungen:
Neue Osnabrücker Zeitung (NOZ)
Downloads:

Sie haben Zugriff auf 0 von insgesamt 1 Dateien.

Kriegs-Chronik - Band VI - Juli 1944 bis Oktober 1944
Verfasser / Urheber:
Stadt Osnabrück
Anmerkungen:
Niedersächsisches Landesarchiv; NLA OS, Dep 3 b XV, Nr. 6
Neue Osnabrücker Zeitung, 20.11.2008
Anmerkungen:
Neue Osnabrücker Zeitung (NOZ)
Zusammenstellung über gebaute L.S. Bunker & Stollen
Verfasser / Urheber:
unbekannt
Anmerkungen:
Tabellarische Auflistung der Hoch-Tief- und Stollenbunker in Osnabrück; undatiert, Schreibmaschine, 2 Seiten, Verfasser unbekannt

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