Osnabrücker Platz- und Straßennamen zur Zeit des Nationalsozialismus

Platz- und Straßennamen von 1933 bis 1945 und deren heutige Bezeichnung

Straßenschild "Adolf-Hitler-Platz" in Osnabrück

Straßenschild mit der Aufschrift "Adolf-Hitler-Platz" am heutigen Neumarkt in Osnabrück. Der Fassade nach zu urteilen könnte das Schild am Gerichtsgebäude angebracht gewesen sein.

Filmausschnitt "Osnabrück Entered"; British Army / Imperial War Museum, London, 1945

Bereits vor zwei Jahren hatten wir zur näheren Standortbestimmung einiger bis dato nicht lokalisierbarer Bunkeranlagen eine Zusammenstellung vieler Straßen und Plätze gepostet, welche während der Herrschaft des NS-Regimes in Osnabrück zeitweilig umbenannt wurden. Wir haben den alten Beitrag jetzt wieder herausgekramt, überarbeitet und einige weitere Straßen ergänzt.Anbei findet Ihr nun eine aktualisierte Liste in alphabetischer Reihenfolge:

Die Straße "An der Netterheide", eine Verlängerung der ursprünglichen Römereschstraße hieß zunächst Ludwig-Jahn-Straße. Heute heißt sie auf ganzer Länge Römereschstraße. Dafür erhielt die benachbarte 78er-Straße nach dem Krieg die Bezeichnung An der Netterheide. Der Name der Albert-Leo-Schlageter-Straße (bis 1940 Schulstraße, Haste) wurde nach dem Krieg in Hardinghausstraße geändert. Der Neumarkt wurde während der NS-Diktatur in Adolf-Hitler-Platz umbenannt. Auch die Bramstraße wurde 1940 kurzzeitig in Adolf-Hitler-Straße umbenannt. Die Straße An der Papenhütte im Hafengebiet heißt heute Kiefernweg. Im Katharinenviertel erhielt der Augustenburger Platz nach dem Krieg einen neuen Namen, er heißt heute Gustav-Heinemann-Platz.

Die damalige Bessemerstraße, eine Abzweigung von der Hamburger Straße in Richtung Osten auf Höhe des Hauptbahnhofs, ist heute nicht mehr vorhanden. Die heutige Bessemerstraße hieß einst Schützenhofallee. Der Braunauer Wall heißt heute Schloßwall. Der Brunnenweg, mit dem eine der schlimmsten Bunkerkatastrophen der Stadtgeschichte verbunden ist, wurde nach dem Krieg in Carl-Legien-Straße umbenannt.

Innenstadtausschnitt Stadtplan Osnabrück 1943

Der Adolf-Hitler-Platz in Osnabrück, entnommen aus dem amtliche Stadtplan von 1943.

Städt. Vermessungsamt Osnabrück, 1943

Die Dietrich-Eckart-Straße in Osnabrück wurde im Jahr 1937 in Reimerdesstraße umbenannt. 1940 erhielt der damalige Lechtinger Weg den hierdurch frei gewordenen Namen. Heute heißt diese Straße Im Hohne.

Die Emsstraße heute nicht mehr vorhanden. Sie war eine Verlängerung der Weserstraße zwischen Hafenstraße und Rheinstraße.

Der heutige Otto-Brenner-Platz im Fledder hieß damals Fledderplatz.

Innenstadtausschnitt Stadtplan Osnabrück 1943

Der alte Straßenverlauf östlich der Osnabrücker Altstadt.

Städt. Vermessungsamt Osnabrück, 1943

Der Goetheplatz nahe des Hauptbahnhofs, auf dem einst eine große Kaiser-Wilhelm-Statue thronte, heißt heute Stresemannplatz.

An der Kreuzung Hannoversche Straße und Rheinische Straße war damals der Hannoversche Platz. Die Namensbezeichnung wurde offenbar nach dem Krieg fallen gelassen. Gleiches geschah mit dem Hansaplatz an der Kreuzung Hansastraße und Weserstraße im Hafen. Im Stadtteil Wüste hatten die Nationalsozialisten die Wüstenstraße in Hans-Rickmers-Straße umbenannt. Nach dem Krieg erhielt die Straße ihren alten Namen zurück. Auf dem Schinkelberg exisiterte damals noch die Straße Heuweg. Heute ist diese im nordwestlichen Teil der Nordstraße auf Höhe des Bahlwegs aufgegangen. Der Herbert-Norkus-Weg (bis 1940 Nonnenpfad, Haste) heißt heute Blumenmorgen. Die Parkanlage vor dem heutigen Arbeitsamt wurde damals Hindenburgplatz genannt, heute Willy-Brandt-Platz. Die Hohenzollernstraße am gleichnamigen Hotel ist  heute die Heinrich-Heine-Straße.
Der Hörner Weg in der Wüste wurde nach dem Krieg vollständig verlegt. So heißt der erste Abschnitt dieser Straße vom Blumenhaller Weg bis Große Nordhaus heute Alfred-Delp-Straße, ein Teilbereich auf Höhe der Autobahn Nordhausweg. Damals verlief die Straße noch bis nach Hellern bzw. Hörne. Heute ist die alte Trasse von der Autobahn durchschnitten. Der heutige Hörner Weg hat mit der alten Straßenführung nur noch wenig gemein.
Im Schinkel wurde die Ebertallee in der Nähe des Stadions "Bremer Brücke" während der NS-Zeit in Horst-Wessel-Allee umbenannt. Sie heißt heute wieder Ebertallee. Auch eine Horst-Wessel-Straße gab es in Osnabrück. Sie befindet sich an der ehemaligen Kaserne am Netter Heide heißt heute Quirllsweg.

In der Altstadt war der Hasetorwall auf Höhe der Hasemauer damals unter Kaiserwall bekannt, der Heger-Tor-Wall als Kanzlerwall. Die Klubstraße exisitiert in ihrer ursprünglichen Form heute nicht mehr, sie ist etwa vergleichbar mit der verlängerten Hans-Böckler-Straße entlang der Stadthalle bis zum Platz des 17. Juni.
Der Kronprinzenwall auf Hohe Bocksmauer ist heute der Hasetorwall.

Plan der Stadt Osnabrück, 1943

Ausschnitt aus dem amtliche Stadtplan aus dem Jahr 1943. Auf diesem Ausschnitt sind der Martinsweg (unten mittig), der Siemensweg (rechts mittig) und der Brunnenweg (oben rechts) zu sehen.

Städt. Vermessungsamt Osnabrück, 1943

In der Weststadt hieß die Rheiner Landstraße damals noch Lengericher Straße bzw. Reichsstraße 65. Die Ludwigstraße heißt heute Ludwig-Bäte-Straße. Auf dem Westerberg erhielt auch die Schoellerstraße während der Hitler-Diktatur vorübergehend einen neuen Namen, sie hieß bis 1945 Litzmannstraße. Heute hat sie ihren alten Namen wieder.

Nicht mehr existent ist der Martinweg im Schinkel. Er befand sich auf dem heutigen Gelände der Magnum-Werke im Hasepark. Der Martiniplatz in der Weststadt ist heute als Heinrich-Lübke-Platz bekannt.

Auch der Natruper-Tor-Wall hatte einst einen anderen Namen. Bis 1945 wurde er Wiener Wall genannt.

Plan der Stadt Osnabrück 1937

Ausschnitt des Bereichs der Winkelhausenkaserne aus dem amtlichen Stadtplan von 1937, als Haste noch eigenständig war. Unten mittig ist die Ludwig-Jahn-Straße (später An der Netterheide, heute Römereschstraße) und rechts mittig die Horst-Wessel-Straße (heute Quirrlsweg) zu erkennen.

Städt. Vermessungsamt Osnabrück, 1937

O
Die alte Oldenburger Straße heißt heute Riedweg und Klöcknerstraße. Der die Stadtteile Dodesheide und Haste verbindende Östringer Weg wurde (vermutlich 1940) in Icker Weg (heute Ickerweg) umbenannt.

P
Ebenfalls in Haste erhielt der Kirchplatz an der Ecke Bramstraße & Hardinghausstraße den Namen Platz der SA.

R
Auf Höhe des Hannoverschen Bahnhofs befand sich damals die Riedenstraße. Sie ist heute im Erich-Maria-Remarque-Ring ab Ecke Karlstraße bis Berliner Platz aufgegangen.

Plan der Stadt Osnabrück, 1943

Ausschnitt des Bereichs Fürstenauer Weg / Hafen. In der Bildmitte ist die Straße Urlager Esch zu erkennen, die heute nicht mehr existiert.

Städt. Vermessungsamt Osnabrück, 1943

S
Der Saarplatz erhielt nach dem Krieg nur eine minimale Namensanpassung, er hieß vorab Saartreueplatz bzw. Saartreuplatz.
Die heutige Kleiststraße wurde Schillerstraße, die heutige Bessemerstraße Schützenhofallee genannt. Die ehemalige Schulstraße in Eversburg heißt heute Schwenkestraße. Ebenfalls geändert hat sich der Name des Siemenswegs. Er heißt heute Am Schützenhof. Auch der Neue Graben erhielt kurzzeitig den Namen Straße der SA, doch offenbar wurde dies noch zur NS-Zeit wieder in Struckmannstraße zurückgeändert.

U
Die Straße Urlager Esch ist heute nicht mehr vorhanden, sie war einst eine Abzweigung vom Fürstenauer Weg im Richtung Kanal, etwa auf Höhe des alten Hyde Parks am Fürstenauer Weg.

V
Der damalige Abschnitt der Vehrter Landstraße zwischen Bramstraße und Hanesch heißt heute Haneschstraße.

Korrekturen und Ergänzungen willkommen.

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